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Sprachkunst – Beiträge zur Literaturwissenschaft, Jahrgang LVI/2025, 1. Halbband
No.:
LVI
Year of the volume:
2025
Issue:
1
Der thematisch offene Band enthält vier Beiträge: R. Scholz fragt, warum Goethe Faust in den Himmel kommen lässt und beleuchtet von da aus kritisch Traditionen der Faust-Forschung. H. Klapdor zeigt, wie Briefe Ausgrenzungen des Exils unterlaufen: in Erzählungen von Anna Seghers und Kathrine Kressmann Taylor werden sie zu zentralen Figuren einer „weißen“ und einer „schwarzen“ Intrige. H. Ribbe nimmt eine kurzfristige Essensgemeinschaft aus Ingeborg Bachmanns „Wüstenbuch“ in den Blick und interpretiert sie auf der Folie von Jacques Derridas Konzept der „unmöglichen Gabe“. G. Etienne schließlich erinnert an einen fast vergessenen, postapokalyptischen Roman der österreichischen Physikerin Hannelore Valencak: „Die Höhlen Noahs“ (1961). Eine Rezension und ein Nachruf schließen den Band: Besprochen wird ein „Text und Kritik“-Heft zum Lebenswerk Rainer Malkowskis; gewürdigt wird Hermann Blume, der im Juni verstorbene langjährige Redakteur dieser Zeitschrift.
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Aufsätze

Der Tod des Heinrich Faust und die Forschung
If we portray Goethe‘s Faust as a man of guilt and failure, it becomes difficult to explain his salvation. Goethe believed that the soul continued into eternal life due to its power and achievements in this life. Therefore, a negative assessment alone cannot be correct. The interplay between the immanent and supernatural realms, the spheres of men and women, and the dichotomy between heterosexuality (Faust) and homosexuality (Mephistopheles) demonstrate that the autonomy of the great man is limited. Faust‘s violent acts and enormous productivity are consequences of his unstable psyche. // Die dominante Wertung von Goethes Faust-Figur als scheiterndem Verbrecher hat die Erlösung zum Problem gemacht. Der übergangene Glaube Goethes an die Fortdauer der Seele durch Leistung belegt, dass man Faust durch die allein negative Wertung nicht gerecht wird. Die Dialektik von immanenten und übersinnlichen Weltbereichen, die Dialektik von Frauen- und Männerreichen, von Heterosexualität (Faust) und Homosexualität (Mephisto) belegt, dass die Autonomie des großen Mannes eingeschränkt ist. Fausts Gewalttaten wie seine enorme Produktivität sind Folgen seiner instabilen Psyche.
Keywords:
Rüdiger Scholz
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Der Brief als Akteur. Zu zwei Brieferzählungen aus dem Exil von Anna Seghers: ›Post ins Gelobte Land‹ (1945) und Kathrine Kressmann Taylor: ›Adressat unbekannt‹ (1938 )
Through differentiated methodological reflections on theories of letter research and exile research, actor-network theory, and Peter von Matt‘s theory of intrigue, this academic essay reads the letter narratives of Anna Seghers, ›Post ins Gelobte Land‹ (1945), and Kathrine Kressmann Taylor, Address Unknown‹ (1938) as literary realisations of powerlessness turned into power. The literary practice of letter writing is an empowerment fantasy. And an experiment. With the character of the letter, she establishes a subject that acts independently alongside the fictional author of the letter, extending its power to act to the existential limits of life and death. // Mittels differenzierter methodischer Reflexionen auf Theorien der Brief-Forschung und der Exil-Forschung, der Akteur-Netzwerk-Theorie und Peter von Matts Theorie der Intrige kann der wissenschaftliche Essay die Brief-Erzählungen von Anna Seghers: ›Post ins Gelobte Land‹ (1945) und Kathrine Kressmann Taylor: ›Adressat unbekannt‹ (1938) als literarische Realisierungen einer in Macht gewendeten Ohnmacht lesen. Die literarische Briefpraxis ist eine Ermächtigungsphantasie. Und ein Experiment. Sie etabliert mit der Figur des Briefs ein neben dem fiktiven Briefautor selbständig agierendes Subjekt, dessen Handlungsmacht sie bis an die existentiellen Grenzen von Leben und Tod ausdehnt.
Keywords:
Heike Klapdor
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"Brot in einer brotlosen Stadt". Von der unmöglichen Gabe der Szene eines ‚einzigen Essens‘ in Ingeborg Bachmanns ›Wüstenbuch‹
This essay examines a scene from Ingeborg Bachmann’s ›Wüstenbuch‹ drafts (1964/65), set in the Nubian border town of Wadi Halfa. It is based on the hypothesis that this scene of a ‘unique meal’, though imbued with great critical potential, was not included in subsequent drafts because of an inherent issue of representation. In order to profile the internal limits of representation, Jacques Derrida’s concept of the ‘impossible gift’ beyond economic calculation is considered and, for its part, elucidated based on the literary scene. // Der Beitrag analysiert eine Szene aus Ingeborg Bachmanns ›Wüstenbuch‹-Entwürfen (1964/65), deren Schauplatz die nubische Grenzstadt Wadi Halfa ist. Ausgangspunkt bildet die These, dass diese Szene eines ‚einzigen Essens‘ aufgrund eines inneren Darstellungsproblems nicht in die folgenden Entwurfsstufen aufgenommen wurde, aber ein besonderes kritisches Potential bereit-hält. Um die textimmanenten Grenzen der Darstellbarkeit zu profilieren, wird die Denkfigur der ‚unmöglichen Gabe‘ jenseits ökonomischen Kalküls von Jacques Derrida herangezogen und an der literarischen Szene ihrerseits illustriert.
Keywords:
Henrike Ribbe
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Zwischen Idylle und Grausamkeit. Die ambivalente Welt der Postapokalypse in Hannelore Valencaks Roman ›Die Höhlen Noahs‹ (1961)
This article examines the spatial, symbolic (religious-philosophical), and magical realist ambi-valences in Hannelore Valencak’s largely overlooked post-apocalyptic novel ›Die Höhlen Noahs‹ (1961). The focus of the analysis lies in the novel’s diverse interpretative possibilities regarding landscape representation, plot structure, and narrative style. The aim is to open up new perspectives for its literary re-evaluation. // Der Beitrag untersucht die räumlichen, symbolischen (religiös-philosophischen) und magisch-realistischen Ambivalenzen in Hannelore Valencaks weitgehend in Vergessenheit geratenem postapokalyptischem Roman ›Die Höhlen Noahs‹ (1961). Im Fokus stehen die vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten in Bezug auf Landschaftsdarstellung, Handlungsstruktur und Erzählstil. Ziel ist es, neue Perspektiven für die literaturwissenschaftliche Neubewertung des Romans zu eröffnen.
Keywords:
Guillaume Etienne
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Verzeichnis der literaturwissenschaftlichen Dissertationen an österreichischen Universitäten
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Berichte und Besprechungen

[Rez.] Waldemar Fromm, Walter Hettche (Hrsgg.), Rainer Malkowski. Text und Kritik, Zeitschrift für Literatur. Begründet von Heinz Ludwig Arnold, I/25, Heft 245. 108 S.
Rainer Grübel
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Nachruf

Hermann Blume (1950–2025)
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Edition:
978-3-7001-5104-3, eJournal, PDF, limited accessibility, 22.12.2025
Edition:
978-3-7001-5103-6, Journal, softcover, 12.01.2026
Pages:
134 Pages
Format:
24x17cm
Images:
2 b/w images
Language:
German
DOI (Link to Online Edition):

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