EBERT Kurt

Die Anfänge der modernen Sozialpolitik in Österreich

Die Taaffesche Sozialgesetzgebung für die Arbeiter im Rahmen der Gewerbeordnungsreform (1879-1885)

Reihe: Studien zur Geschichte der österreichisch-ungarischen Monarchie, Band: 15

Verlag: VÖAW

Erscheinungsdatum: 1975

ISBN13: 978-3-7001-0125-3

ISBN10: 3-7001-0125-2

Format: 320 S., 24 x 17 cm, broschiert

Buch: 
€ 34,88

Produktbeschreibung

Die im politisch-ideologischen Spannungsfeld zwischen sozial engagiertem Liberalismus, ambivalentem Sozialismus und christlich-sozialem Konservativismus in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in Österreich inaugurierte Sozialgesetzgebung zugunsten der Arbeiter fiel in eine Zeit allgemeinen Aufbruchs in Europa. Nachdem sich im Gefolge der industriellen Revolution und liberal-doktrinärer Verirrungen des Zeitgeistes die soziale Frage in einer für Staat und Gesellschaft bedrohlichen Weise zugespitzt hatte, mußte sich endlich auch die Gesetzgebung ihrer annehmen. und durch öffentlichrechtliche Eingriffe in den vom „Nachtwächterstaat des klassischen Liberalismus weitgehend negierten sozialen Bereich eine positive Wendung herbeizuführen versuchen. Die Gründe, welche speziell in Österreich innerhalb weniger Jahre zu einer für die damalige zivilisierte Welt geradezu mustergültigen Arbeitergesetzgebung führten, waren mannigfacher Natur. Neben der Angst vor der Verwirklichung des von radikalen Sozialisten immer wieder propagierten Umsturzes der bestehenden Gesellschaftsordnung und der Beseitigung der privatkapitalistischen Produktionsweise war es vor allem das durch schockierende Untersuchungsergebnisse über die materielle Lage des vierten Standes wachgerüttelte soziale Gewissen der politischen Willensträger, welches zu unverzüglichen Gegenmaßnahmen drängte. Ausschlaggebend für Richtung und Ausmaß der Sozialreform war jedoch die damals herrschende innerpolitische Konstellation der Monarchie. Der Liberalismus war in den Wahlen von 1879 entscheidend getroffen worden, und auf seiten der ans Ruder gelangten Konservativen schoben sich sozial ambitionierte, von christlicher Weltanschauung geprägte Persönlichkeiten in den politischen Vordergrund und konnten ihrem auch publizistisch wirksam vertretenen sozialpolitischen Programm schließlich zum Durchbruch verhelfen. Österreich beschritt dabei in dem in diesem Buch behandelten Zeitabschnitt bis 1885 einen durchaus eigenständigen, vom Deutschen Reich grundverschiedenen Weg. Während nämlich für Bismarck der Gedanke der Sozialversicherung im Vordergrund stand, widmete man in Österreich das Hauptaugenmerk zunächst der Arbeiterschutzgesetzgebung und baute diese in einer - gemessen am damaligen internationalen Standard - so vorbildlichen Weise aus, daß Victor Adler auf dem Internationalen Sozialistenkongreß in Brüssel im Jahre 1891 anerkennend feststellte, "Österreich besitze neben England und der Schweiz das beste Arbeiterschutzgesetz der Welt.
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