RATKOWITSCH Christine

Karoli vestigia magna secutus

Die Rezeption des ‚Aachener Karlsepos‘ in der Carlias des Ugolino Verino

Reihe: Wiener Studien - Beihefte, Band: 25

Reihe: Arbeiten zur mittel- und neulateinischen Philologie, Band: 5

Verlag: VÖAW

Erscheinungsdatum: 1999

ISBN13: 978-3-7001-2809-0

ISBN10: 3-7001-2809-6

Format: 114 S., 24 x 17 cm, broschiert

Buch: 
€ 33,94

Produktbeschreibung

Die Datierung des sog. Aachener Karlsepos, einer panegyrischen Dichtung auf Karl den Großen, ist umstritten: Während ein Teil der Forschung darin eine vollständig erhaltene, anläßlich des Besuches des Papstes Leo III. bei Karl in Paderborn im Sommer 799 dort verfaßte Dichtung sehen wollte, vertrat vor allem Dieter Schaller die These, es handle sich um das einzig erhaltene dritte Buch eines ursprünglich vier Bücher umfassenden Epos, das mit der Kaiserkrönung geendet haben mußte, daher erst nach 800 entstanden sein konnte. Schallers Meinung konnte ich bereits in einer 1997 in derselben Reihe erschienenen literarischen Gesamtinterpretation des Textes stützen; nun läßt sich der Beweis aber noch von einer anderen Seite her führen. Die in der zweiten Hälfte des 15. Jh. Von dem Florentiner Dichter Ugolino Verino verfaßte, 1995 erstmals edierte Carlias, in der die Legenden des Hochmittelalters über Karls Kämpfe gegen die Sarazenen in die Form eines vergilischen Epos gegossen wurden, weist nämlich deutliche Spuren einer Kenntnis und Verarbeitung des karolingischen Epos auf. Darüber hinaus lassen sich aus der Carlias mit Hilfe eines Vergleichs mit dem Ludwigsepos des Ermoldus Nigellus einige verlorene Szenen des Karlsepos rekonstruieren: Ermoldus wertete nämlich das Karlsepos stark aus, scheint aber Verino nicht bekannt gewesen zu sein, da sich – anders als beim Karlsepos – kein eindeutiges sprachliches Zitat aus Ermoldus bei Verino nachweisen läßt; trotzdem finden sich bei Ermoldus auffällige, inhaltliche, teilweise sonst nirgends zu belegende Gemeinsamkeiten mit Verino. Das gilt im besonderen für die Kaiserkrönung im letzten Buch der Carlias, wo die entsprechende, heute verlorene Szene des Karlsepos verwendet zu sein scheint. Damit ist ein weiteres Argument für die Abfassung des Karlsepos nach 800 gewonnen.
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